Zweig Stefan - Sternstunden der Menschheit

Zweig Stefan - Sternstunden der Menschheit

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Kategorie: Zweig Stefan

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BESCHREIBUNG:

Taschenbuch ; Fischer Verlag Nr. 595 ; 1998 ; 44. Auflage ; 251 Seiten ; 19,0 cm x 12,0 cm

guter Zustand (leicht vergilbt)

Zwölf historische Miniaturen

Immer müssen Millionen müßiger Weltstunden verrinnen, ehe eine wahrhaft historische, eine Sternstunde der Menschheit, in Erscheinung tritt. Stefan Zweig hat beispielhaft vierzehn von ihnen in einer aus der Malerei übernommenen Form nachgezeichnet: als Miniatur. Sie lesen sich überaus anschaulich, plastisch und mitreißend, weil, wie er es nannte, hier die Geschichte selbst als Dichterin, als Dramatikerin waltet. Seinen Ruhm aber hat dieses Buch vor allem begründet, weil diese Darstellung nun schon Generationen zu einem wirklichen, fast unmittelbaren Verständnis für Geschichte, der politischen ebenso wie der der Entdeckungen und der künstlerischen Leistungen, verholfen hat. Darin liegt ein unverlierbares Verdienst des dem Humanen verpflichteten Schriftstellers. Menschliche Größe und Schwäche, Schicksal und Charakter sind, so lehrt es diese Sammlung, die bestimmenden Faktoren unseres Lebens von jeher gewesen und werden es bleiben.

Zweig erzählt in seiner leicht poetischen Weise 14 Geschichten bzw. Entscheidungen aus der Weltgeschichte von 50 vor Chr. (die Ermordung Cäsars und Ciceros) über 1453 (Eroberung von Byzanz), 1815 (Waterloo) und mehr bis 1919 (Versailler Verträge).

Bei unserer riesigen Weltgeschichte können die "Sternstunden" natürlich nur Schnappschüsse sein, und Zweig hat mehrere Ereignisse gewählt, die erst auf dem zweiten Blick bedeutend sind. So berichtet er nicht von der Entdeckung Amerikas sondern der des Pazifiks 1513; aus der gesamten Wissenschaft wählt er die Verlegung des Morse-Kabels zwischen Europa und Amerika. Suter, der Mann, dem 1840 einmal halb Kalifornien gehörte oder die Krankheit Händels, die 1737 zu seinem schönsten Werk führte, sind wunderschön zu lesen, aber nicht die offensichtlichen Meilensteine der Menschheit. Doch gerade die Wahl etwas abseits vom allgemein bekannten und durchgekauten Mainstream macht die Geschichten besonders interessant.

Besonders bedeutend ist das Nachgeben von Amerikas Präsident Wilson bei den Versailler Verträgen 1919, der nach langer Verhandlung seine Grundsätze zur Sicherung des Ewigen Friedens aufgab und den hohen Reparaturzahlungen Deutschlands zustimmte. Sie waren wesentlich mitverantwortlich für die folgende Deflation und spätere Radikalisierung. Zweig sieht bereits 1927 (!) die Gefahr, die von dieser Stunde und vertanen Chance ausging, und es ergibt sich (bewusst?) eine Parallele zum Demokraten Cicero 2000 Jahre zuvor, durch dessen Liquidierung die Ideale der römischen Republik verdrängt wurden und der Weg frei war für die Diktatur von Antonius, Octavian und Lepidus . Traurig, aber schön geschrieben.


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